Ein Sturz ist im Alter selten harmlos. Häufig folgen Knochenbrüche, ein Krankenhausaufenthalt und der Verlust von Selbstständigkeit. Hinzu kommt oft die Angst vor dem nächsten Sturz — sie führt dazu, dass Betroffene sich weniger bewegen, was Kraft und Gleichgewicht weiter abbauen lässt. So entsteht ein Teufelskreis. Die gute Nachricht: Mit einfachen Maßnahmen lässt sich das Risiko erheblich senken — körperlich, im Wohnumfeld und bei den Medikamenten.

Beweglich und stark bleiben

Der beste Schutz vor Stürzen ist ein trainierter Körper. Schon wenige Minuten täglich helfen, Kraft und Gleichgewicht zu erhalten.

  • Gleichgewicht üben

    Auf einem Bein stehen, am Stuhl festhalten — täglich ein paar Wiederholungen.

  • Beinkraft aufbauen

    Mehrmals langsam vom Stuhl aufstehen und wieder hinsetzen.

  • In Bewegung bleiben

    Regelmäßige Spaziergänge, Seniorengymnastik oder leichtes Tanzen.

Stolperfallen in der Wohnung beseitigen

Die meisten Stürze passieren zu Hause. Ein kritischer Rundgang durch die eigene Wohnung lohnt sich.

  • Lose Teppiche und Kabel

    Entfernen oder rutschfest fixieren.

  • Beleuchtung

    Helle Lampen und Nachtlichter, besonders auf dem Weg zur Toilette.

  • Haltegriffe

    In Bad und Flur dort anbringen, wo Halt gebraucht wird.

  • Festes Schuhwerk

    Rutschfeste, gut sitzende Schuhe statt loser Hausschuhe.

Sehkraft, Knochen und Ernährung im Blick

Wer schlecht sieht, übersieht Stolperfallen. Lass deine Augen regelmäßig prüfen und die Brille anpassen — eine aktuelle Sehhilfe ist eine der einfachsten Sturzbremsen. Ebenso wichtig sind stabile Knochen: Eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D und Kalzium sowie Bewegung an der frischen Luft beugen Knochenschwund vor und mildern die Folgen eines Sturzes. Sprich mit deinem Hausarzt, ob in deinem Fall ein Vitamin-D-Präparat sinnvoll ist. Achte außerdem auf ausreichendes Trinken — Flüssigkeitsmangel macht schwindelig und unkonzentriert.

Sicherheit für den Ernstfall

Sollte doch etwas passieren, zählt jede Minute. Ein Hausnotruf holt auf Knopfdruck Hilfe; bei vorhandenem Pflegegrad beteiligt sich die Pflegekasse an den Kosten. Wer das Wohnumfeld zusätzlich barrierearm gestaltet, beugt vor — mehr dazu im Ratgeber Barrierefrei wohnen.

Den Alltag bewusst gestalten

Viele Stürze passieren in Eile oder bei Routinetätigkeiten, denen man keine Aufmerksamkeit schenkt. Es hilft, das eigene Tempo bewusst herauszunehmen: nach dem Aufstehen einen Moment sitzen bleiben, bis der Kreislauf in Gang kommt, beim Tragen von Gegenständen eine Hand für den Handlauf frei lassen und nachts lieber das Licht einschalten als im Dunkeln zu tasten. Auch das richtige Schuhwerk im Haus gehört dazu. Solche kleinen Gewohnheiten kosten nichts, senken das Risiko aber spürbar — gerade in den Momenten, in denen man sich am sichersten fühlt. Besonders riskant sind Hektik beim Klingeln oder Telefonklingeln: Lass dir lieber Zeit, denn kein Anruf ist einen Sturz wert.

Passende Hilfsmittel geben Halt

Das richtige Hilfsmittel ist keine Schwäche, sondern gewonnene Sicherheit. Ein gut eingestellter Rollator gibt im Freien Halt und bietet zugleich eine Sitzpause. Im Haus helfen Haltegriffe, rutschfeste Matten und ein erhöhter Toilettensitz. Wichtig ist die fachgerechte Anpassung: Ein zu hoch oder zu niedrig eingestellter Rollator kann das Sturzrisiko sogar erhöhen. Lass dich im Sanitätshaus beraten — viele Hilfsmittel werden bei entsprechender Verordnung von der Kranken- oder Pflegekasse bezuschusst.

Bewegungsangebote in der Nähe

Allein fällt das Üben schwer, in der Gruppe macht es mehr Freude und bleibt eher zur Gewohnheit. Viele Sportvereine, Volkshochschulen und Krankenkassen bieten spezielle Kurse wie Sturzprophylaxe, Seniorengymnastik oder sanftes Krafttraining an; ein Teil der Kosten wird von den Krankenkassen im Rahmen der Prävention übernommen. Auch physiotherapeutische Übungen, die der Arzt verordnet, helfen gezielt und lassen sich nach Anleitung gut zu Hause fortführen. Wer Bewegung mit Begegnung verbindet, tut gleich doppelt etwas Gutes — mehr dazu im Ratgeber Aktiv im Alter.

Nach einem Sturz richtig handeln

Ist es doch passiert, gilt: Ruhe bewahren. Liegt keine schwere Verletzung vor, hilft es, sich langsam über die Seitenlage zu einem stabilen Möbelstück zu robben und sich daran hochzuziehen. Bei Schmerzen, Benommenheit oder dem Verdacht auf einen Bruch sollte man liegen bleiben und Hilfe rufen — hier zeigt sich der Wert eines Hausnotrufs. Jeder Sturz gehört außerdem ärztlich abgeklärt, auch wenn zunächst nichts gebrochen scheint, denn die Ursache lässt sich oft behandeln.

Weiterlesen: Alle Themen zu Gesundheit im Alter · Barrierefrei wohnen · Aktiv im Alter

Kurz zusammengefasst

Stürze lassen sich nicht ganz verhindern, ihr Risiko aber deutlich senken. Der wirksamste Schutz ist regelmäßige Bewegung für Kraft und Gleichgewicht, am besten in der Gruppe. Beseitige Stolperfallen, sorge für gutes Licht und festes Schuhwerk und behalte Sehkraft, Knochengesundheit und Medikamente im Blick. Für den Ernstfall geben ein Hausnotruf und passende Hilfsmittel Sicherheit. Und wenn doch etwas passiert, gilt: Ruhe bewahren, Hilfe holen und jeden Sturz ärztlich abklären lassen, um die Ursache zu finden.

Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Schwindel oder häufigen Stürzen bitte ärztlich abklären lassen.

HÄUFIGE FRAGEN

Welche Übungen helfen am besten, um Stürze zu vermeiden?

Kraft- und Gleichgewichtsübungen sind der wirksamste Schutz. Dazu gehören tägliches Einbeinstand-Training am Stuhl, langsames Aufstehen und Hinsetzen vom Stuhl sowie regelmäßige Spaziergänge oder leichte Bewegungsangebote.

Welche Gefahrenquellen sind am häufigsten in der Wohnung?

Die meisten Stürze entstehen durch lose Teppiche, Kabel, schlechte Beleuchtung und fehlende Haltegriffe. Ein kritischer Rundgang durch die Wohnung hilft, diese Stolperfallen zu identifizieren und zu beseitigen.

Können Medikamente das Sturzrisiko erhöhen?

Ja, Blutdruck- oder Beruhigungsmittel werden oft unterschätzt und können Schwindel verursachen. Eine regelmäßige Überprüfung der Medikation beim Hausarzt oder in der Apotheke ist wichtig, besonders wenn mehrere Mittel zusammenkommen.

Was sollte man im Notfall tun?

Ein Hausnotruf ermöglicht es, auf Knopfdruck schnell Hilfe zu holen. Bei vorhandenem Pflegegrad beteiligt sich die Pflegekasse an den Kosten für den Hausnotruf.
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