Beerdigungskosten: wer sie zahlen muss
Der Bestatter schickt die Rechnung an den, der beauftragt hat. Tragen muss die Kosten aber jemand anderes — und wenn niemand zahlen kann, springt das Sozialamt ein.
Beträge und Rechtsstand geprüft: September 2026
Zwischen Trauer und Terminen kommt eine Frage auf, über die niemand sprechen möchte: Wer bezahlt das alles? Die Antwort hat zwei Ebenen, die im Alltag ständig verwechselt werden — wer dem Bestatter gegenüber haftet und wer die Kosten am Ende wirtschaftlich trägt. Das sind nicht zwangsläufig dieselben Personen.
Die Grundregel steht in einem Satz
§ 1968 BGB ist knapp: „Der Erbe trägt die Kosten der Beerdigung des Erblassers." Wer erbt, zahlt also — und zwar aus dem Nachlass. Gibt es mehrere Erben, tragen sie die Kosten gemeinsam entsprechend ihren Anteilen.
| Wer | Wann | Grundlage |
|---|---|---|
| Der Erbe | immer zuerst, aus dem Nachlass | § 1968 BGB |
| Wer den Auftrag unterschreibt | haftet dem Bestatter, auch ohne Erbe zu sein | Vertrag |
| Unterhaltspflichtige | wenn alle das Erbe ausschlagen | familienrechtliche Verbundenheit |
| Das Sozialamt | wenn die Kosten nicht zuzumuten sind | § 74 SGB XII |
Davon zu unterscheiden ist die Frage, wer dem Bestatter gegenübersteht. Das ist derjenige, der den Auftrag erteilt hat — auch wenn er gar nicht Erbe ist. Wer in der ersten Stunde nach dem Todesfall unterschreibt, schuldet dem Bestattungsunternehmen das Geld und muss es sich anschließend vom Erben erstatten lassen.
Wenn das Erbe ausgeschlagen wird
Eine Ausschlagung befreit nicht automatisch von den Bestattungskosten. Ist der Nachlass überschuldet, schlagen häufig alle aus — dann rücken die Unterhaltspflichtigen nach. Das sind in erster Linie Kinder, Eltern und Ehepartner. Sie tragen die Kosten dann nicht als Erben, sondern wegen der familienrechtlichen Verbundenheit.
Daneben gibt es die öffentlich-rechtliche Bestattungspflicht nach den Bestattungsgesetzen der Länder. Sie verpflichtet bestimmte Angehörige, die Bestattung zu veranlassen — unabhängig davon, ob sie erben und unabhängig davon, wie das Verhältnis war. Wer diese Pflicht nicht erfüllt, riskiert eine Ersatzvornahme durch die Behörde, die anschließend teurer abgerechnet wird.
Wann das Sozialamt zahlt
§ 74 SGB XII greift, wenn den Verpflichteten die Kosten nicht zuzumuten sind. Übernommen werden die erforderlichen Kosten — also eine würdige, einfache Bestattung, nicht die Wunschvariante mit Eichensarg und Trauerfeier im großen Rahmen.
Zwei Punkte entscheiden über den Erfolg des Antrags. Erstens muss geprüft werden, ob der Nachlass reicht; vorhandenes Vermögen wird zuerst eingesetzt. Zweitens zählt die eigene wirtschaftliche Lage des Verpflichteten — nicht nur ein laufender Bezug von Grundsicherung, sondern auch eine Situation, in der die Zahlung den eigenen Lebensunterhalt gefährden würde.
- Früh beantragen
Stelle den Antrag beim Sozialamt am Ort der Bestattung, sobald absehbar ist, dass es eng wird — am besten vor der Beauftragung, spätestens sofort danach.
- Angebote einholen
Die Preise unterscheiden sich erheblich. Wer ein günstiges Angebot vorlegt, hat es leichter, die Erforderlichkeit zu begründen.
- Unterlagen sammeln
Sterbeurkunde, Bestattungsrechnung, Nachweise über den Nachlass und über das eigene Einkommen und Vermögen.
- Ablehnung nicht hinnehmen
Gegen den Bescheid ist innerhalb eines Monats Widerspruch möglich, das Verfahren ist kostenfrei.
Womit du rechnen musst
Die Kosten setzen sich aus drei Blöcken zusammen, die oft getrennt in Rechnung gestellt werden. Da sind die Leistungen des Bestatters — Sarg oder Urne, Überführung, Versorgung, Formalitäten. Dazu kommen die Friedhofsgebühren der Gemeinde für Grabstelle, Öffnen und Schließen des Grabes sowie die Nutzung der Trauerhalle. Und schließlich die Nebenkosten: Traueranzeige, Blumen, Trauerredner, Bewirtung, später Grabstein und Grabpflege.
Vergleichen lohnt sich, gerade beim ersten Block. Die Preisunterschiede zwischen Bestattern derselben Stadt sind erheblich, und jeder Betrieb muss dir auf Verlangen eine schriftliche Preisliste aushändigen. Nimm dir dafür einen Tag Zeit — der Druck, sofort entscheiden zu müssen, ist meist gefühlt und nicht real.
Die Grabpflege ist der Posten, der am häufigsten unterschätzt wird, weil er über Jahrzehnte läuft. Wer das den Hinterbliebenen ersparen will, sollte pflegefreie Grabformen wenigstens in Betracht ziehen.
Was sonst noch Geld bringt oder spart
Prüfe, ob eine Sterbegeldversicherung besteht — oft aus alten Verträgen, von denen die Familie nichts weiß. Auch Lebensversicherungen mit Bezugsberechtigung zahlen unmittelbar an die begünstigte Person und fallen gar nicht in den Nachlass. Bei einem Arbeitsunfall oder einer Berufskrankheit zahlt die gesetzliche Unfallversicherung ein Sterbegeld, bei Beamten die Beihilfestelle.
Steuerlich sind Bestattungskosten als Nachlassverbindlichkeit abziehbar; die Erbschaftssteuer sinkt entsprechend. Und wer die Kosten trägt, ohne zu erben, kann sie unter Umständen als außergewöhnliche Belastung geltend machen.
Am wirksamsten ist Vorsorge zu Lebzeiten. Ein Testament mit klarer Regelung, eine zweckgebundene Rücklage und eine schriftliche Bestattungsverfügung nehmen den Angehörigen sowohl die Entscheidung als auch den Streit ab. Was der Bestattungskosten-Rechner ausgibt, ist dafür ein realistischer Ausgangspunkt.
Und sprich das Thema an, solange es niemanden drängt. Wer zu Lebzeiten sagt, welche Bestattungsform er möchte und wo das Geld dafür liegt, nimmt den Angehörigen die schwerste Entscheidung in der schwersten Woche ab. Ein Blatt Papier im Ordner reicht dafür aus — es muss keine notarielle Form haben.
Häufige Fragen
Wer muss die Beerdigung bezahlen?
Nach § 1968 BGB trägt der Erbe die Kosten, und zwar aus dem Nachlass. Dem Bestatter gegenüber haftet dagegen, wer den Auftrag unterschrieben hat — auch wenn er nicht Erbe ist.
Muss ich zahlen, wenn ich das Erbe ausschlage?
Möglicherweise ja. Schlagen alle aus, rücken die Unterhaltspflichtigen nach, also in erster Linie Kinder, Eltern und Ehepartner. Dazu kommt die öffentlich-rechtliche Bestattungspflicht nach Landesrecht.
Wann zahlt das Sozialamt die Bestattung?
Nach § 74 SGB XII, wenn den Verpflichteten die Kosten nicht zuzumuten sind. Übernommen wird eine erforderliche, also einfache und würdige Bestattung — nicht jede Wunschleistung.
Wann muss ich den Antrag stellen?
So früh wie möglich, am besten vor der Beauftragung des Bestatters, spätestens unmittelbar danach. Hole vorher mehrere Angebote ein, das erleichtert die Begründung.
Kann ich Bestattungskosten steuerlich absetzen?
Als Erbe mindern sie als Nachlassverbindlichkeit die Erbschaftssteuer. Wer die Kosten trägt, ohne zu erben, kann sie unter Umständen als außergewöhnliche Belastung geltend machen.
Quellen
- § 1968 BGB — Beerdigungskosten
- § 74 SGB XII — Bestattungskosten
- § 1942 BGB — Anfall und Ausschlagung der Erbschaft
Zuletzt geprüft und aktualisiert: 30. September 2026
Dieser Ratgeber wurde von der transparenten KI-Redaktion von herbstlichter recherchiert und erstellt — auf Basis verlässlicher Quellen wie Gesetzen, Behörden und Verbraucherzentralen. Wie wir dabei vorgehen und wann wir Beträge prüfen, steht unter Wie wir arbeiten. Er ersetzt keine individuelle Rechts- oder Gesundheitsberatung.
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