Hörgerät: was die Krankenkasse zahlt und was du selbst
Zuzahlungsfreie Hörgeräte gibt es wirklich — sie werden im Laden nur selten von selbst angeboten. Was dir zusteht und wie du danach fragst.
Beträge und Rechtsstand geprüft: September 2026
Wer zum ersten Mal beim Akustiker sitzt, hört meist von Geräten für 1.500 Euro aufwärts — pro Ohr. Was selten von selbst gesagt wird: Es gibt Hörgeräte, die dich außer der gesetzlichen Zuzahlung von 10 Euro nichts kosten. Sie sind nicht schlechter, sondern schlichter ausgestattet, und für viele Menschen reichen sie vollkommen aus.
Wie die Finanzierung funktioniert
Hörgeräte sind Hilfsmittel nach § 33 SGB V. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten bis zu einem Festbetrag, den der GKV-Spitzenverband festlegt. Dieser Betrag gilt je Ohr und deckt ein Gerät ab, das den Hörverlust im Alltag ausgleicht.
| Kostenart | Wer zahlt |
|---|---|
| Gerät bis zum Festbetrag | Krankenkasse |
| Gesetzliche Zuzahlung | du — 10 € je Hörgerät |
| Aufzahlung über dem Festbetrag | du |
| Anpassung und Nachjustierung | Krankenkasse, im Rahmen der Versorgung |
| Batterien | in der Regel du |
Dazu kommt die gesetzliche Zuzahlung von 10 Euro je Hörgerät — dieselbe Regel wie bei anderen Hilfsmitteln. Wählst du ein teureres Modell, zahlst du die Differenz zum Festbetrag zusätzlich aus eigener Tasche, und diese Aufzahlung kann schnell vierstellig werden.
Bei einer beidseitigen Schwerhörigkeit besteht Anspruch auf eine Versorgung für beide Ohren. Wer nur ein Gerät angeboten bekommt, obwohl beide Ohren betroffen sind, sollte nachfragen.
Der Weg zum Gerät
- Zum HNO-Arzt
Er stellt die Schwerhörigkeit fest und schreibt die Verordnung. Ohne sie zahlt die Kasse nicht.
- Zum Akustiker deiner Wahl
Du bist an keinen bestimmten Betrieb gebunden, auch nicht an den, den die Praxis empfiehlt. Ein Vergleich lohnt sich.
- Geräte testen
Du hast Anspruch darauf, mindestens ein zuzahlungsfreies Gerät zum Vergleich angeboten und angepasst zu bekommen. Verlange das ausdrücklich.
- Zurück zum Arzt
Nach der Anpassung prüft der HNO-Arzt das Ergebnis. Erst danach rechnet der Akustiker mit der Kasse ab.
Wann sich die Aufzahlung lohnt
Teurere Geräte bieten vor allem eine bessere Störgeräuschunterdrückung, mehr Kanäle, Richtmikrofone und Zusatzfunktionen wie Bluetooth. Ob du das brauchst, hängt weniger vom Hörverlust ab als von deinem Alltag.
Wer viel in Gruppen unterwegs ist, oft telefoniert oder Konzerte besucht, profitiert spürbar. Wer überwiegend zu Hause ist und sich mit einer Person unterhält, hört mit einem Kassengerät praktisch gleich gut. Lass dir die Aufzahlung schriftlich aufschlüsseln und frag konkret, welche Funktion welchen Aufpreis rechtfertigt.
Wenn die Kasse ablehnt oder das Gerät nicht taugt
Gegen eine Ablehnung kannst du innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen; das Verfahren ist kostenfrei. Begründe mit dem Alltag: Was verstehst du nicht mehr, welche Situationen meidest du deshalb, was bedeutet das für deine Teilhabe?
Auch nach dem Kauf bist du nicht gebunden. Innerhalb der Testphase kannst du Geräte zurückgeben und andere ausprobieren. Und wenn sich das Hörvermögen ändert, besteht Anspruch auf eine neue Anpassung — in der Regel sind Hörgeräte nach etwa sechs Jahren erneut verordnungsfähig.
Die ersten Wochen entscheiden
Fast jeder findet ein neues Hörgerät zuerst unangenehm. Das eigene Kauen wird laut, das Kühlschrankbrummen stört, Stimmen klingen blechern. Das ist normal — das Gehirn hat jahrelang gelernt, ohne diese Frequenzen auszukommen, und braucht Wochen, um sie wieder einzuordnen.
Trage das Gerät deshalb von Anfang an täglich und nicht nur bei Bedarf. Wer es in die Schublade legt und nur zum Arztbesuch herausholt, gewöhnt sich nie daran und hält es am Ende für untauglich. Geh nach zwei bis drei Wochen zur Nachjustierung — die gehört zur Versorgung dazu und kostet nichts extra.
Batterien, Reparatur und Folgekosten
Batterien zahlst du in der Regel selbst; bei Geräten mit Akku entfällt das. Reparaturen und Wartung sind während der üblichen Gewährleistung abgedeckt, danach kommt es auf den Servicevertrag an — frag vor dem Kauf, was er kostet und was er einschließt.
Wer die gesetzliche Zuzahlung von 10 Euro nicht tragen kann, hat eine Belastungsgrenze auf seiner Seite: Übersteigen alle Zuzahlungen eines Jahres zwei Prozent des Bruttoeinkommens, kann eine Befreiung beantragt werden — bei chronisch Kranken schon ab einem Prozent. Der Antrag geht an die Krankenkasse und lohnt sich, wenn im Jahr mehrere Hilfsmittel und Medikamente zusammenkommen.
Warum du nicht warten solltest
Unbehandelte Schwerhörigkeit führt dazu, dass Menschen Gespräche meiden, sich zurückziehen und vereinsamen. Sie gilt außerdem als einer der beeinflussbaren Risikofaktoren für eine Demenz, weil dem Gehirn Reize fehlen. Je früher versorgt wird, desto besser gewöhnt sich das Gehör an die Verstärkung.
Sprich außerdem mit den Menschen um dich herum. Ein Hörgerät nimmt nicht jede Anstrengung aus einem Gespräch — deutlich sprechen, sich zuwenden und den Fernseher leiser stellen hilft weiterhin. Wer das offen anspricht, erspart sich viele Missverständnisse.
Wenn die Schwerhörigkeit zusammen mit anderen Einschränkungen den Alltag erschwert, lohnt außerdem ein Blick auf den Pflegegrad und auf den Schwerbehindertenausweis. Mehr zur Auswahl und zu den Bauformen steht im Ratgeber zum Hörgerät.
Häufige Fragen
Was kostet ein Hörgerät bei der Krankenkasse?
Die Kasse zahlt bis zum Festbetrag je Ohr. Für dich bleibt die gesetzliche Zuzahlung von 10 Euro je Hörgerät. Wählst du ein teureres Modell, zahlst du die Differenz zum Festbetrag zusätzlich selbst.
Gibt es wirklich zuzahlungsfreie Hörgeräte?
Ja. Sie sind schlichter ausgestattet, gleichen den Hörverlust im Alltag aber aus. Du hast Anspruch darauf, mindestens ein solches Gerät zum Testen angeboten zu bekommen — frag ausdrücklich danach.
Muss ich zum empfohlenen Akustiker gehen?
Nein. Du kannst den Betrieb frei wählen, auch abweichend von der Empfehlung der Arztpraxis. Ein Vergleich lohnt sich.
Bekomme ich Geräte für beide Ohren?
Bei beidseitiger Schwerhörigkeit besteht Anspruch auf eine beidseitige Versorgung. Wird nur ein Gerät angeboten, obwohl beide Ohren betroffen sind, solltest du nachfragen.
Wann steht mir ein neues Gerät zu?
In der Regel sind Hörgeräte nach etwa sechs Jahren erneut verordnungsfähig. Ändert sich das Hörvermögen früher wesentlich, besteht Anspruch auf eine neue Anpassung.
Quellen
Zuletzt geprüft und aktualisiert: 18. September 2026
Dieser Ratgeber wurde von der transparenten KI-Redaktion von herbstlichter recherchiert und erstellt — auf Basis verlässlicher Quellen wie Gesetzen, Behörden und Verbraucherzentralen. Wie wir dabei vorgehen und wann wir Beträge prüfen, steht unter Wie wir arbeiten. Er ersetzt keine individuelle Rechts- oder Gesundheitsberatung.
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